Der Schreck ist verständlich – aber jetzt in Panik zu geraten, ist die schlechteste Option.
In einigen Regionen Deutschlands taucht die asiatische Hornisse inzwischen regelmässig auf und sorgt am Gartentisch schnell für Unruhe. Viele Menschen fuchteln reflexartig nach dem Insekt oder stehen abrupt auf. Genau solche Reaktionen können jedoch dazu führen, dass die Lage kippt. Ein Insektenforscher aus Frankreich erklärt, wie man sich in der Nähe der Tiere sinnvoll verhält – und weshalb der eigentliche Gefahrenpunkt häufig nicht die einzelne Hornisse am Tisch ist, sondern etwas anderes.
Was asiatische Hornissen so bedrohlich wirken lässt
Die asiatische Hornisse zählt wie Bienen und Wespen zu den Hautflüglern. Sie ist etwas grösser als die Deutsche Wespe, wirkt überwiegend dunkel und trägt auffällige orangefarbene Markierungen. Das tiefe Brummen und der zielstrebige Flug direkt an Süssspeisen oder Fleisch entlang lösen bei vielen schnell hektische Abwehrreaktionen aus.
Besonders im Frühling und Sommer erscheinen die Tiere häufig an gedeckten Tischen. Besonders interessant sind für sie:
- Fleisch und Wurst vom Grill
- offene Limonaden, Säfte und Bier
- Kuchen, Eis und andere Süssspeisen
- reifes Obst, das im Garten liegt oder noch am Baum hängt
Oft wird angenommen, ihr Stich sei erheblich gefährlicher als der von Wespen oder Honigbienen. Fachleute relativieren das deutlich: Der Stich ist zwar schmerzhaft, doch die Wirkung des Gifts unterscheidet sich kaum von der anderer stechender Hautflügler.
"Die größere Gefahr geht nicht vom einzelnen Tier am Tisch aus, sondern von einem Nest, das zu nah am Menschen hängt."
Wie gefährlich ihr Gift wirklich ist
Forschende betonen, dass die Giftmischung der asiatischen Hornisse in ihrer Wirkung im Wesentlichen mit der von Bienen und Wespen vergleichbar ist. Ein Stich schmerzt, die betroffene Stelle kann anschwellen und brennend reagieren. Kritisch wird es vor allem in zwei Fällen:
- bei Menschen mit Allergie gegen Insektengift
- bei vielen Stichen auf einmal, etwa in der Nähe eines Nestes
Im Unterschied zur Honigbiene kann die Hornisse mehrfach stechen, weil ihr Stachel nicht im Gewebe stecken bleibt. Wer allergisch ist, kann bereits nach einem einzigen Stich ernsthafte Symptome entwickeln. Bei gesunden Personen bleibt es meist bei einer lokalen Reaktion – unangenehm, aber in der Regel gut zu bewältigen.
Der entscheidende Sicherheitsabstand zum Nest
Das tatsächliche Risiko beginnt dort, wo ein Nest in der Nähe ist. In Nestnähe patrouillieren Wächtertiere, die die Kolonie verteidigen. Laut dem Insektenexperten sollte man zu einem Nest mindestens 10 Meter Abstand einhalten, besser noch mehr, und im Flugbereich auf schnelle oder ruckartige Bewegungen verzichten.
Ein Nest kann im Frühjahr nur aus einigen Dutzend Tieren bestehen, im Hochsommer jedoch bis zu rund 2.000 Individuen umfassen. Wer zu nahe kommt oder etwa Äste beziehungsweise Dachbereiche erschüttert, an denen das Nest hängt, kann eine gleichzeitige Attacke vieler Hornissen auslösen. Dann drohen innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Stiche.
"Wer ein Nest im Garten oder an der Hausfassade findet, sollte nicht auf eigene Faust handeln, sondern Profis holen."
Asiatische Hornisse am Gartentisch: so verhalten Sie sich richtig
Sitzt eine einzelne Hornisse am Tisch, ist sie in erster Linie auf Nahrungssuche – nicht auf Angriff aus. Der wichtigste Hinweis aus der Fachwelt: ruhig bleiben. So gross der Impuls auch ist, nach dem Tier zu schlagen oder es mit einer Serviette treffen zu wollen – genau das verschärft die Situation eher.
Diese Fehler besser vermeiden
- nicht wild mit den Armen fuchteln
- nicht nach dem Tier schlagen oder es einklemmen
- keine Sprays, Deos oder brennende Gegenstände direkt auf das Tier richten
- kein riskantes „Wegpusten“ direkt vor dem Gesicht
Solche Abwehraktionen machen die Hornisse häufig erst wirklich angriffslustig: Sie fühlt sich bedrängt, wertet den Menschen als Gefahr und kann zustechen.
Was stattdessen hilft
Wer gelassen bleibt, reduziert das Risiko am stärksten. Bewährt haben sich zum Beispiel:
- stark zuckerhaltige Speisen oder Fleisch kurzzeitig ins Haus bzw. in die Küche stellen
- Getränke abdecken, besonders Gläser von Kindern
- ruhig einen Schritt vom Tisch zurückgehen, wenn das Tier sehr nah kommt
- für ein paar Minuten in den Innenraum wechseln, bis die Hornisse weiterzieht
Viele Tiere verschwinden nach kurzer Zeit wieder, wenn sie keine ergiebige Futterquelle finden oder merken, dass niemand nach ihnen schlägt.
"Die sicherste Reaktion am Tisch: ruhig bleiben, Abstand nehmen, Essen kurz wegräumen – und der Hornisse die Lust am Besuch nehmen."
Warum Töten die Lage verschärfen kann
So paradox es zunächst klingt: Eine asiatische Hornisse gezielt zu töten, kann das Problem sogar verstärken. Gerät das Insekt in starken Stress, setzt es bestimmte Duftstoffe frei. Diese Pheromone signalisieren Artgenossen in der Umgebung, dass eine Bedrohung besteht.
Gelangen diese Duftstoffe bis zum Nest, können weitere Hornissen heranfliegen, um das scheinbar angegriffene Tier zu „unterstützen“. Aus einem einzelnen Besucher wird dann schnell eine Gruppe, die sich bedroht fühlt – genau das will man beim Grillen mit der Familie vermeiden.
So gehen Sie bei einem Nest im Garten vor
Entdeckt man ein Nest im Baum, in einer Hecke, am Schuppen oder unter dem Dachfirst, ist der erste Schritt: Abstand halten. Als Orientierung gelten mindestens fünf, besser zehn Meter.
Wichtige Hinweise:
- Zugang für Kinder und Haustiere sperren
- nicht längere Zeit direkt unterhalb des Nestes stehen bleiben
- keine Äste absägen oder an der Fassade hämmern
- keine eigenen „Giftmischungen“ verwenden
Auf Privatgrundstücken sollten Nester ausschliesslich von ausgebildeten Schädlingsbekämpfern entfernt oder umgesiedelt werden. Im öffentlichen Raum sind – je nach Region – Stadtverwaltung, Ordnungsamt oder Feuerwehr die passenden Anlaufstellen.
Was tun bei einem Stich der asiatischen Hornisse?
Nach einem Stich sollte man sich zunächst aus dem Bereich zurückziehen – besonders dann, wenn ein Nest in der Nähe möglich ist. Anschliessend können folgende Schritte helfen:
- Stichstelle begutachten und beruhigen.
- Handschmuck wie Ringe oder enge Armbänder abnehmen, wenn Schwellung droht.
- Stelle mit Wasser reinigen, um Keime zu reduzieren.
- Kühlen, zum Beispiel mit einem feuchten Tuch oder Coolpack.
- Optional: Stichheiler oder Sauggeräte gegen Insektengift nutzen.
- Bei starkem Juckreiz eine geeignete Creme mit entzündungshemmender Wirkung auftragen.
Wer weiss, dass er allergisch reagiert, sollte das Notfallset griffbereit haben und bei den kleinsten Anzeichen von Atemnot, Schwindel oder Kreislaufproblemen sofort den Notruf wählen. Auch mehrere Stiche im Gesicht oder am Oberkörper sollten ernst genommen werden – selbst ohne bekannte Allergie.
Warum die asiatische Hornisse auch ein Problem für Bienen ist
Neben dem Risiko für Menschen hat die Art auch eine ökologische Bedeutung. Sie gilt als invasive Art und jagt bevorzugt Honigbienen. Vor Bienenstöcken ist teils zu beobachten, dass sie regelrecht „Wache fliegt“ und ankommende Bienen abfängt. Für Imker kann das spürbare Verluste bedeuten.
Gleichzeitig frisst sie auch andere Insekten, etwa Fliegen oder Spinnen. Fachleute versuchen deshalb, den Umgang so zu steuern, dass Menschen geschützt werden, ohne pauschal jedes Tier zu vernichten. Nester an abgelegenen Orten können unter Umständen sogar bestehen bleiben, wenn sie nicht stören.
Praktische Tipps, um Begegnungen im Alltag zu reduzieren
Wer im Sommer auf Terrasse oder Balkon entspannter essen möchte, kann mit einfachen Massnahmen die Wahrscheinlichkeit von Besuchen senken:
- Essensreste zügig wegräumen, Müllbehälter fest verschliessen
- reifes Fallobst unter Bäumen regelmässig aufsammeln
- Getränke mit Deckeln anbieten oder Strohhalme aus geschlossenen Bechern nutzen
- Duftfallen oder bestimmte Pflanzen mit intensiven Gerüchen testen (z. B. Tomatenpflanzen, bestimmte Kräuter)
- helle, luftige Kleidung tragen und stark parfümierte Produkte eher vermeiden
Eine Garantie gibt es nicht. Doch je weniger attraktive Futterquellen offen zugänglich sind, desto weniger interessant wird der eigene Garten für die Tiere.
Wer die Grundregeln beachtet – Distanz zum Nest, Ruhe am Tisch, keine hektischen Abwehraktionen – muss in den meisten Fällen nichts befürchten. So lässt sich der Sommer im Garten auch mit asiatischer Hornisse meist gelassen verbringen.
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