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Innenraumbegrünung: Studie der Universität Surrey zeigt neue Effekte

Junge Person entspannt sich auf Sofa in grünem, sonnendurchflutetem Wohnzimmer mit vielen Zimmerpflanzen.

Innenräume prägen unseren Alltag meist stärker, als uns bewusst ist. Ob zu Hause, in Klassenzimmern, Büros oder Einkaufszentren – der grösste Teil unserer wachen Zeit spielt sich in Gebäuden ab.

Eine neue Untersuchung der Universität Surrey zeigt nun: Pflanzen in Innenräumen sind nicht nur ein optisches Plus. Begrünung im Gebäude – von einzelnen Topfpflanzen bis zu technisch ausgefeilten Grünsystemen – kann den Komfort erhöhen, die Luftqualität verbessern und sogar dabei helfen, mit Hitze besser umzugehen.

Innenraum-Pflanzensysteme unter der Lupe

Bäume und Grünflächen im Freien werden seit Langem erforscht. Stadtparks und Strassenbäume können Städte abkühlen und die Luft sauberer machen.

Deutlich weniger detailliert untersucht sind dagegen Begrünungssysteme in Innenräumen. Forschende wollten verlässliche Antworten darauf, wie Pflanzen reale Innenräume tatsächlich beeinflussen.

Genau hier setzte eine umfangreiche Studie an, die vom Globalen Zentrum für Forschung zur sauberen Luft der Universität Surrey geleitet wurde. Für die Analyse arbeiteten 35 Fachleute aus dem Vereinigten Königreich, Europa, den USA, Australien, Indien und Brasilien zusammen.

Dieses internationale Vorhaben lief im Rahmen des GREENIN-Mikronetzwerk-Plus-Projekts, das sich darauf konzentriert, Innenräume in einer sich erwärmenden Welt zu verbessern.

Innenraumbegrünungssysteme im Vergleich

Um den tatsächlichen Nutzen von Pflanzen im Gebäude zu erfassen, entwickelte das Forschungsteam ein Raster aus zehn Leitfragen.

Damit wurden technische Leistungsfähigkeit, Mikrobiologie, gesundheitliche Auswirkungen, soziale und wirtschaftliche Aspekte sowie die Bedeutung des Standorts betrachtet. Der Ansatz sollte sicherstellen, dass Innenraumbegrünung aus mehreren Perspektiven bewertet wird – statt nur einen einzelnen Vorteil hervorzuheben.

Ausserdem verglichen die Expertinnen und Experten 26 verschiedene Systeme der Innenraumbegrünung. Dazu zählten klassische Topf-Zimmerpflanzen, begrünte Innenwände und hydroponische Türme.

Begrünte Wände bedecken vertikale Flächen mit Pflanzen. Hydroponische Türme ziehen Pflanzen ohne Erde in nährstoffreichem Wasser.

Die Gegenüberstellung liefert Planenden sowie Gebäudeverantwortlichen praxisnahe Hinweise dazu, welche Lösungen sich wofür eignen – und an welchen Stellen weiterhin Forschungslücken bestehen.

Pflanzen kühlen und reinigen die Raumluft

Ein zentrales Ergebnis ist eindeutig: Grosse Begrünungssysteme in Innenräumen können dazu führen, dass sich ein Raum um bis zu zwei Grad kühler anfühlt.

Auch wenn das Thermometer denselben Wert anzeigt, wirkt die Umgebung frischer und angenehmer. Das kann das schwere, stickige Empfinden verringern, das in warmen Innenräumen häufig auftritt.

Pflanzen geben zudem Feuchtigkeit an die Luft ab. Trockene Raumluft ist im Winter und in klimatisierten Gebäuden weit verbreitet. Steigt die Luftfeuchte durch Pflanzen, kann das Atmen leichter fallen. Mehr Feuchtigkeit kann ausserdem Trockenheit in Nase und Rachen mindern.

Einige speziell konzipierte Pflanzensysteme können auch die Luft reinigen. Sie sind in der Lage, winzige Schadstoffbestandteile wie Feinstaubpartikel zu senken. Ebenso können sie schädliche Gase reduzieren, sogenannte VOCs (flüchtige organische Verbindungen). VOCs stammen unter anderem aus Farben, Möbeln und Reinigungsmitteln.

Allerdings sind diese Effekte nur mit guter Planung zu erreichen. Entscheidend sind unter anderem die Anzahl der Pflanzen, die Beleuchtung und das Gesamtkonzept. Ein durchdachtes Grünsystem wirkt deutlich besser als ein paar zufällig platzierte Pflanzen in einer dunklen Ecke.

Pflanzen und das Mikrobiom in Innenräumen

Die Studie verweist ausserdem auf erste Hinweise, dass Innenraumbegrünung das Mikrobiom in Innenräumen bereichern könnte. Zum Innenraum-Mikrobiom zählen winzige Mikroorganismen, die in der Raumluft und auf Oberflächen vorkommen.

Pflanzen können mehr Mikroben aus natürlichen Aussenumgebungen in Innenräume einbringen. Das könnte zu einer gesünderen, ausgewogeneren Innenraumumgebung beitragen – auch wenn weitere Forschung nötig ist, um langfristige gesundheitliche Effekte zu bestätigen.

Die Forschenden machten zugleich auf Schwächen früherer Studien aufmerksam. Viele ältere Versuche arbeiteten mit unrealistisch vielen Pflanzen oder mit kleinen Laborkammern.

Solche Aufbauten bilden weder echte Wohnungen noch Schulen oder Büros realitätsnah ab. Künftige Untersuchungen müssen deshalb in tatsächlichen Gebäuden und über längere Zeiträume stattfinden. Denn Licht, Lüftung, Belegung und Pflege beeinflussen wesentlich, wie gut Begrünung im Innenraum funktioniert.

Standort und Pflege sind entscheidend

„Menschen verbringen rund 90 Prozent ihres Lebens in Innenräumen, aber überraschenderweise verstehen wir immer noch sehr wenig darüber, wie Innenraum-Pflanzensysteme diese Umgebungen verändern können“, sagte Professor Prashant Kumar, Hauptautor der Studie.

„Unsere gemeinsame Arbeit zeigt, dass Innenraumbegrünung in bestimmten Situationen einen spürbaren Unterschied machen kann – nicht nur darin, wie sich Gebäude anfühlen, sondern auch darin, wie sie mit Hitze, Luftfeuchtigkeit und Schadstoffen umgehen.“

„Aber diese Vorteile entstehen nicht zufällig. Sie hängen davon ab, die richtigen Systeme richtig einzusetzen – mit passender Beleuchtung und Wartung.“

Pflanzen brauchen eine solide Planung

Wer messbare Effekte sehen will, braucht sorgfältige Planung und regelmässige Pflege. Ohne ausreichendes Licht und ohne Instandhaltung überleben Pflanzen möglicherweise nicht – und liefern entsprechend auch keine Vorteile.

„Begrünung als Umweltinfrastruktur statt als Dekoration zu behandeln und zugleich erhebliche Forschungslücken in diesem Themenfeld zu schliessen, wird entscheidend sein, um das volle Potenzial zu erschliessen“, merkte Professor Kumar an.

Damit wird ein Kernpunkt betont: Pflanzen in Innenräumen sollten nicht nur als Dekoration verstanden werden. Erst durch geeignetes Design, korrekte Beleuchtung und kontinuierliche Pflege lassen sich echte Umweltvorteile erreichen.

Grünere und gesündere Räume

„Innenraumbegrünung ist eine fantastische Möglichkeit, die Vorteile von Pflanzen – und die Interaktion der Menschen mit ihnen – in städtische Wohnungen, Schulen und andere Räume zu bringen, in denen Natur nicht leicht zugänglich ist“, sagte die Mitautorin der Studie, Dr. Tijana Blanusa.

„Diese Arbeit schafft eine starke Grundlage, indem sie Belege für die Bedingungen liefert, die nötig sind, um die grösste Wirkung auf Luftqualität, Wohlbefinden und mehr zu erzielen.“

Allein können Zimmerpflanzen nicht jede ökologische Herausforderung lösen. Wenn Fachleute Innenraumbegrünung jedoch als wichtigen Bestandteil der Gebäudegestaltung behandeln, können Pflanzen dazu beitragen, gesündere, komfortablere und klimaresilientere Räume für den Alltag zu schaffen.

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