Auch wenn die Begriffe „modern“ und „zeitgenössisch“ je nach Zusammenhang ineinander übergehen können und im Alltag mitunter wie Synonyme wirken, meinen sie in Einrichtung und Architektur keineswegs dasselbe. Während „modern“ für klare Linien, Zweckmässigkeit und den Verzicht auf Überfluss steht, orientiert sich „zeitgenössisch“ an aktuellen Strömungen und verändert sich laufend.
„Es ist sehr üblich, den Begriff ‚modern‘ zu verwenden, wenn wir etwas meinen, das aktuell ist. In Architektur und Interior Design nutzen wir jedoch den Begriff ‚zeitgenössisch‘, um einen Stil zu beschreiben, der zur jeweiligen Gegenwart passt“, erläutert die Architektin Ana Bortone.
Moderne Dekoration
Der moderne Stil gilt als Vorläufer des zeitgenössischen. Diese Art der Gestaltung entstand im 20. Jahrhundert unter dem Einfluss der modernistischen Bewegung. Trotz ihres Alters ist sie bis heute gefragt, weil sie Einfachheit, Praktikabilität und Funktionalität in den Vordergrund rückt. „Dieser Stil legt ebenfalls den Schwerpunkt auf die Funktion sowie auf die Verbindung der Bereiche durch offene Grundrisse und grosszügige Spannweiten und hebt Materialien wie Beton und Stahl hervor“, ergänzt Ana Bortone.
Zeitgenössische Dekoration
Zeitgenössische Dekoration setzt zwar ebenfalls auf Schlichtheit, kombiniert diese jedoch mit zurückhaltender Raffinesse, Komfort und Funktion. Optisch zeigt sie sich minimalistisch: Der Raum soll stärker wirken als die Dinge, die ihn füllen. Ausserdem ist dieser Stil ständig im Wandel, da er Ideen und Trends aufgreift, die gerade angesagt sind.
Die Architektin und Stadtplanerin Marina Belotto erklärt, dass sich im Zeitgenössischen alles sehr schnell verändert und es kaum feste Regeln gibt. „Das hängt mit der geringen Haltbarkeit der Dinge zusammen, mit der Technologie. Das ermöglicht es, fliessender zu leben. Alles ist erlaubt“, sagt sie.
Vom Modernen zum Zeitgenössischen
Die Innenarchitektin Larissa Santo berichtet, dass moderne Dekoration vor allem vom Minimalismus als Leitidee geprägt war. „Mit der Entwicklung kam die zeitgenössische, die den Einsatz weiterer Elemente erlaubt, die die Einrichtung ergänzen. Zum Beispiel können wir Farbakzente einsetzen und uns ein Stück weit vom Monochromen lösen“, erklärt sie.
Zudem ist die zeitgenössische Dekoration – anders als die moderne – nicht an eine klar abgegrenzte Epoche gebunden. „Dieser Stil lässt sich durch das Wort definieren, das ihm den Namen gibt: ‚zeitgenössisch‘ bedeutet ‚aus dem Moment‘, also das, was heute im Design passiert“, erklärt der Architekt und Stadtplaner Francesco Torrisi.
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