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Retrete: Unser Land als Dauerbaustelle

Mann lehnt an Tür mit Aufschrift „retrete“ an einem Bahnhof unter Baustellenbedingungen.

Eine Definition aus dem Wörterbuch

„Sanitärkeramik für Ausscheidungen; Toilette; Latrine; Klo“, so steht es im Online-Wörterbuch der Porto Editora.

Das Wort an alten Bahnhöfen

Dieses Wort prangt riesig an praktisch allen alten Bahnhöfen – ich erwähne ausgerechnet diese, weil man es dort am deutlichsten sieht: in übergrossen Buchstaben, meist schwarz auf kalkweisser Wand.

„Retrete“ als Zustandsbeschreibung unseres Landes

Trotzdem ist es ein Begriff, der den Augen anständiger Leute sofort übel aufstösst – wer weiss schon, warum. Retrete?! Wie schrecklich! Dabei scheint mir das die einzige Vokabel zu sein, die das beschreibt, wozu sich unser Land entwickelt hat: eine permanente Baustelle mit perfekt gelegenen Ecken, um einen dringenden Druck loszuwerden – wenn schon nicht an jeder Strassenecke ein Bahnhof steht.

Und doch ist angeblich alles in Ordnung, versichern die Regierenden. Es ist immer alles richtig. Wir sind nur die, die ständig nörgeln. Mit den Prüfungen ist alles bestens, der Wassermangel passt schon, und auch der Anhänger vom Freund des Ministers ist selbstverständlich völlig in Ordnung.

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