Das Weißstreichen von Baumstämmen ist eine Methode, die als Kalken (Anstrich mit Kalk) bekannt ist und traditionell mit gelöschtem Kalk (Calciumhydroxid) umgesetzt wird, der in Wasser verdünnt wird. Die helle Schicht wirft einen Teil der Sonneneinstrahlung zurück und senkt dadurch die übermässige Erwärmung der Rinde – ein Schutz, der besonders bei jungen Bäumen und Obstbäumen sinnvoll ist, deren Stamm noch dünn ist und stark in der Sonne steht.
Warum schützt die weisse Farbe den Stamm?
Dunkle Stämme nehmen mehr Sonnenenergie auf und können bei starker, direkter Besonnung sehr hohe Temperaturen erreichen. Eine weisse Oberfläche reflektiert einen grösseren Anteil des Lichts und reduziert damit starke Temperaturwechsel in den Geweben direkt unter der Rinde.
Eingesetzt wird dieser Schutz vor allem gegen Sonnenbrand (Sonnenverbrühung) am Stamm – ein Schaden, der zu ausgetrockneten Stellen, Rissen und dem Absterben von Gewebe führen kann. Wenn die Rinde aufplatzt, entstehen Eintrittsstellen, durch die Pilze, Bakterien und Insekten leichter in den Baum gelangen.
Wie wird das Kalken von Bäumen durchgeführt?
Gelöschter Kalk sollte als passende Lösung für den Stamm angerührt werden, ohne dass eine zu dicke Schicht entsteht. Meist wird vor allem die Seite behandelt, die am stärksten der Sonne ausgesetzt ist:
- Entfernen Sie vorsichtig Schmutz sowie lose Rindenteile;
- Verwenden Sie ausschliesslich ein geeignetes Produkt und verdünnen Sie es gut;
- Tragen Sie mit einem Pinsel eine dünne Schicht auf;
- Beginnen Sie nahe am Stammfuss;
- Arbeiten Sie bis etwa 80 Zentimeter bis 1 Meter Höhe;
- Wählen Sie einen trockenen, milden Tag ohne unmittelbar erwarteten Regen.
Ist es richtig, statt Kalk Wandfarbe zu verwenden?
Es ist nicht empfehlenswert, beliebige Haushaltsfarben als Ersatz zu nutzen. Abdichtende Produkte, Ölfarben und Fassadenbeschichtungen können ungeeignete Filme auf der Rinde bilden und die Gaswechselprozesse behindern, die über natürliche Strukturen des Stamms ablaufen.
Beim traditionellen Kalken kommt eine feine, mineralische Lösung zum Einsatz, während spezielle Handelsprodukte zum Stammschutz eigene Rezepturen besitzen. Bevor bei einem jungen Obstbaum irgendein Anstrich aufgetragen wird, sollte geprüft werden, ob er ausdrücklich für Pflanzen vorgesehen ist – und die empfohlene Konzentration muss eingehalten werden.
Hält die weisse Schicht auch Insekten und Moose fern?
Das durch Kalk entstehende alkalische Milieu kann die Entwicklung einiger Organismen auf der Rindenoberfläche vorübergehend erschweren, sollte jedoch nicht als Hauptzweck betrachtet werden. Der verlässlichste Vorteil des weissen Überzugs liegt in der Lichtreflexion und im Schutz vor zu starker Erwärmung:
- Kann die direkte Strahlungsbelastung der Rinde verringern;
- Hilft, starke Temperaturschwankungen zu reduzieren;
- Schützt vor allem junge Bäume mit dünner Rinde;
- Kann manche oberflächlichen Organismen zeitweise beeinträchtigen;
- Ersetzt keine sachgerechte Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten;
- Muss erneuert werden, wenn Regen und Witterung die Schicht abtragen.
Warum ist das bei jungen Bäumen besonders sinnvoll?
Frisch gepflanzte Obstbäume haben eine vergleichsweise dünne Rinde und eine noch kleine Krone, sodass grosse Teile des Stamms direkt von der Sonne getroffen werden. Unter diesen Bedingungen kann ein weisser Schutzanstrich Hitzeschäden mindern, während der Baum eine stärkere Krone sowie widerstandsfähigere äussere Gewebe ausbildet. Bei erwachsenen, gut beschatteten Bäumen ist der Bedarf in der Regel geringer.
In Parks und an Strassen sieht man weisse Stämme zudem oft aus gestalterischer Tradition, auch wenn nicht jeder Baum diese Behandlung tatsächlich braucht. Wer ähnliche Arten wie in sehr sonnigen Lagen kultiviert, sollte die Entscheidung deshalb von Alter, Art, Sonnenexposition und Zustand der Rinde abhängig machen – statt das Kalken automatisch am gesamten Stamm vorzunehmen.
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