Wenn bei Einbruch der Dunkelheit Fledermäuse über den Himmel im Garten ziehen, löst das bei vielen Menschen zunächst Unbehagen aus. Doch diese Beobachtung bedeutet meist etwas ganz anderes, als es der Volksglaube vermuten lässt: Statt ein schlechtes Omen zu sein, deutet der Besuch der kleinen Flugsäuger auf eine gesunde, ausgewogene Umgebung hin.
Eine beunruhigende Szene mit einer positiven Botschaft
Kreisen Fledermäuse nach Sonnenuntergang um Haus oder Garten, verfolgen sie in der Regel ein sehr praktisches Ziel: die Jagd nach Insekten. Die in städtischen und vorstädtischen Gebieten besonders verbreiteten insektenfressenden Arten verlassen gegen Abend ihre Quartiere, um Nahrung zu finden.
Dass diese fliegenden Säugetiere dort vorkommen, zeigt, dass ausreichend Beute vorhanden ist. Dazu zählen Mücken, Nachtfalter und Käfer, die sich an Außenbeleuchtung und Pflanzen aufhalten. Ihr Auftreten ist daher kein Warnzeichen, sondern ein Hinweis auf aktive Biodiversität in der unmittelbaren Umgebung.
- Mückenjäger: Sie verringern die Zahl von Insekten, die Dengue, Zika und weitere Krankheiten übertragen können, im Garten.
- Nächtliche Bestäuber: Sie unterstützen Pflanzen mit nachts geöffneten Blüten bei ihrer natürlichen Fortpflanzung.
- Samenverbreiter: Fruchtfressende Arten tragen zur Wiederbewaldung nahe gelegener Flächen bei.
- Ökologische Indikatoren: Sie kommen nur in Gebieten vor, in denen vielfältige Tierwelt und ein natürliches Gleichgewicht bestehen.
Kleine Flieger mit gewaltigem Appetit
Besonders bemerkenswert ist ihre Leistung bei der Schädlingskontrolle. Eine einzelne Fledermaus kann in einer Nacht zwischen 500 und 3.000 Insekten fressen – fast die Hälfte ihres eigenen Körpergewichts an Beute, die sie im Flug erjagt.
Besucht eine kleine Gruppe regelmäßig den Garten, werden Mücken, Blattläuse und andere unerwünschte Insekten reduziert, ohne dass Insektizide nötig sind. Diese kostenlose ökologische Leistung schützt zugleich die Gesundheit der Familie und hilft den Pflanzen, schöner zu bleiben.
Mythos und Wirklichkeit: Was das Kino über Fledermäuse erfunden hat
Ein großer Teil der Angst vor ihnen geht auf europäische Legenden und Vampirfilme zurück, die Fledermäuse mit düsteren Vorstellungen verknüpft haben. Wissenschaftlich betrachtet sieht es anders aus: Von mehr als 1.300 weltweit erfassten Arten ernähren sich lediglich drei von Blut, und diese leben in ländlichen Regionen Lateinamerikas.
Sie sind nicht blind, sondern Meister des Schalls
Echoortung: ein natürliches GPS
Fledermäuse können gut sehen und verfügen zusätzlich über die sogenannte Echoortung. Dabei senden sie Ultraschalllaute aus, deren Echo nach dem Auftreffen auf Hindernisse zu ihnen zurückkehrt. Das funktioniert wie ein körpereigenes Sonar.
Deshalb stoßen sie während des Flugs nur selten mit Gegenständen oder Menschen zusammen. Die Vorstellung, dass eine Fledermaus direkt in Haare fliegt, ist ein reiner Mythos – sie weichen mit erstaunlicher Präzision aus.
Ebenso verbreitet ist die Annahme, dass sie Menschen verfolgen würden. Tatsächlich orientieren sich Fledermäuse an Insekten. Da sich viele fliegende Tiere nahe Lichtquellen und menschlicher Körperwärme sammeln, entsteht der Eindruck, die Fledermäuse kämen gezielt auf Menschen zu. Ihr Ziel ist jedoch immer ihre Mahlzeit.
Wann Vorsicht angebracht ist
Zwischen frei über dem Gartenhimmel fliegenden Fledermäusen und Tieren, die sich im Haus, auf dem Dachboden oder in Wänden angesiedelt haben, besteht ein wichtiger Unterschied. Im ersten Fall muss nichts unternommen werden. Im zweiten kann angesammelter Kot Gerüche verursachen und Krankheiten wie Histoplasmose übertragen.
Fliegt eine Fledermaus versehentlich ins Haus, bleiben Sie ruhig: Schließen Sie die Innentüren, öffnen Sie die Fenster nach außen und schalten Sie draußen ein Licht ein, damit das Tier hinausfindet. Versuchen Sie niemals, es mit bloßen Händen zu fangen. In Brasilien ist das Töten von Fledermäusen ein Umweltvergehen, da sie durch IBAMA geschützt sind und jede Maßnahme von qualifizierten Fachleuten durchgeführt werden muss.
Ein Anlass, die Natur anders zu betrachten
In europäischen Ländern und den USA ist es längst üblich, Holzkästen an Bäumen oder Mauern anzubringen, um diesen Tieren Unterschlupf zu bieten. Fachleute für biologische Schädlingskontrolle empfehlen diese Praxis. In Brasilien müssen dafür jedoch noch alte kulturelle Vorbehalte überwunden werden.
Letztlich sind Fledermäuse, die über den Gartenhimmel tanzen, weniger ein Grund zum Erschrecken als eine schöne Erinnerung daran, dass die Natur selbst in der Stadt weiterhin funktioniert. Sie gehören zu einem stillen System, das uns täglich schützt, ohne dafür etwas zu verlangen.
Wenn diese Informationen Ihren Blick auf die kleinen Nachtbewohner verändert haben, teilen Sie sie mit Freunden oder Familienmitgliedern, die noch davonlaufen, sobald eine Fledermaus vorbeifliegt.
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