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Wie Bienen Blumen wählen: Studie der Kyoto University und NARO zeigt den Mitläufereffekt bei Bestäubern

Bienen sammeln Nektar an violetten und gelben Primelblumen in einem Beet, im Hintergrund Person mit Stoppuhr.

Leuchtende Blütenfarben fallen schnell ins Auge – doch ein weiterer Einfluss kann für die Anziehung von Bienen genauso entscheidend sein. Auffällig ist: Bienen orientieren sich mitunter daran, was andere Bienen bereits tun. Ist eine Blüte schon besucht, kann das zusätzliche Bienen anziehen.

Eine Untersuchung der Kyoto University und der National Agriculture and Food Research Organization (NARO) zeigt, dass dieses einfache Verhalten verändern kann, wie stark Blüten im Wettbewerb um Bestäuber stehen.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Blüte nicht zwingend die auffälligste Farbe braucht, um Bienen anzulocken. Mindestens ebenso wichtig kann sein, die ersten Besucherinnen und Besucher zu gewinnen.

Wie Blumen Bestäuber normalerweise anlocken

Blüten setzen auf unterschiedliche Signale, um Bestäuber anzuziehen. Kräftige Farben, intensive Düfte und große Blütenblätter helfen Insekten, Nahrungsquellen rasch zu finden.

Über viele Jahre gingen Forschende davon aus, dass solche Signale Blüten einen klaren Vorteil im Konkurrenzkampf um Bestäuber verschaffen.

Bienen zeigen zudem häufig angeborene Farbvorlieben. Bestimmte Farbtöne wirken in der Wahrnehmung einer Biene besonders attraktiv. Deshalb werden auffällige Blütenfarben oft mit mehr Besuchen in Verbindung gebracht.

Gleichzeitig sammeln Bienen Informationen aus ihrer Umgebung. Sieht eine Biene eine andere Biene an einer Blüte fressen, erscheint dieser Ort eher als verlässliche Nektarquelle.

Dieses Verhalten hilft Bienen, keine Zeit mit der Suche nach Nahrung an Stellen zu verlieren, an denen nichts zu holen ist.

Eine neue Idee über Entscheidungen von Bienen

Ein Forschungsteam der Kyoto University untersuchte, wie stark soziale Informationen die Bestäubung beeinflussen könnten. Die Forschenden wollten wissen, ob Bienen bei der Blütenwahl einander folgen.

„Ich begann mich zu fragen, ob die Nutzung sozialer Informationen durch Bestäuber auch den Fortpflanzungserfolg von Pflanzen beeinflussen könnte, indem sie prägt, wie Pflanzen Bestäuber anlocken und sichern“, sagte die Mitautorin der Studie, Lina G Kawaguchi.

Damit ergab sich eine spannende Möglichkeit: Selbst eine weniger farbintensive Blüte könnte viele Bienen anziehen, wenn sie nur die ersten Besuche erhält.

Test der Bienenwahl in einem Experiment

Um diese Frage zu prüfen, bauten die Forschenden eine große Flugarena, die einer natürlichen Umgebung nachempfunden war.

Das Team arbeitete mit gehaltenen Hummeln, konkret Bombus ignitus, und legte künstliche Blütenflächen mit unterschiedlichen Farben an.

Jede Fläche bestand aus vielen künstlichen Blüten, die mit zuckerhaltigem Nektar gefüllt waren. Zunächst besuchten die Bienen eine weiße Blütenfläche, die eine gute Nahrungsquelle bot.

Später verringerten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Nektargehalt in dieser Fläche. Gleichzeitig tauchten zwei neue Blütenflächen mit frischem Nektar auf.

Diese neuen Flächen unterschieden sich in der Farbe. In einigen Durchgängen platzierten die Forschenden außerdem tote Bienen auf einer Fläche. Diese toten Bienen dienten als „frühe Besucher“, sodass echte Bienen annehmen sollten, andere Bienen seien dort bereits angekommen.

Was die Bienen tatsächlich taten

Wenn keine frühen Besucher auf den Blüten zu sehen waren, entschieden sich die Bienen überwiegend entlang ihrer Farbvorlieben. Rund 90 Prozent wählten die Farbe, die sie von Natur aus bevorzugten.

Sobald die Forschenden jedoch frühe Besucher hinzufügten, verschob sich das Bild. Die Bienen steuerten häufig jene Fläche an, auf der bereits Bienen zu sehen waren – selbst dann, wenn die Blütenfarbe eigentlich weniger anziehend war.

In vielen Fällen hob die Anwesenheit anderer Bienen den Vorteil der bevorzugten Blütenfarbe auf. Teilweise entschieden sich die Bienen sogar eher für die Fläche mit frühen Besuchern als für die Fläche in ihrer Lieblingsfarbe.

Dieses Verhalten machte deutlich, dass soziale Informationen die Blütenwahl von Bienen stark beeinflussen können.

Wie frühe Besucher eine Kettenreaktion auslösen

Die Forschenden beobachteten außerdem Veränderungen darin, wie Bienen Blüten erkundeten. Blüten mit frühen Besuchern wurden häufiger angeflogen und es wurde öfter auf ihnen gelandet. Dadurch stiegen die Chancen dieser Blüten, später erneut ausgewählt zu werden.

Die Studie legt nahe, dass frühe Besuche eine Kettenreaktion anstoßen können: Sobald ein paar Bienen eine Blütenfläche nutzen, nehmen andere Bienen das wahr und folgen. Mit der Zeit kann dieser Prozess viele Bestäuber anziehen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bezeichnen das als „Mitläufereffekt“. Eine Blüte wird populär, weil andere Bienen sehen, dass sie bereits genutzt wird.

Warum das für die Pflanzenentwicklung wichtig ist

Diese Erkenntnis verändert die Sicht darauf, wie Blüten und Bestäuber zusammenspielen. Eine Pflanze mit weniger attraktiven Farben kann dennoch erfolgreich sein, wenn sie früh blüht und die ersten Bienen anzieht.

Sind einige Bestäuber erst einmal da, können weitere Bienen nachrücken. Das kann die Chancen der Pflanze auf Fortpflanzung erhöhen, weil Bestäuber Pollen zwischen Blüten übertragen.

„Diese Ergebnisse deuten auf die Möglichkeit hin, dass die Nutzung sozialer Informationen unter Bestäubern den zwischenartlichen Wettbewerb von Pflanzen um Bestäuber in der Natur prägen kann“, sagte Kawaguchi.

„Ich glaube, das hat wichtige Auswirkungen für zukünftige Forschung zu Pflanzen-Bestäuber-Interaktionen.“

Mit anderen Worten: Bienen wählen Blüten nicht ausschließlich nach Farbe oder Duft. Auch ihr soziales Verhalten kann beeinflussen, welche Pflanzen sich durchsetzen.

Was Wissenschaftler als Nächstes untersuchen möchten

Diese Studie fand unter kontrollierten Bedingungen statt. In der Natur legen Bestäuber große Strecken zurück und treffen auf viele unterschiedliche Blütentypen.

Künftige Arbeiten sollen Bestäuber über ganze Blühsaisons hinweg begleiten. Ziel ist zu prüfen, wie frühe Besuche den Erfolg von Pflanzen in realen Ökosystemen beeinflussen.

Die Forschung könnte zeigen, wie Bestäuber die Entwicklung von Blüten mitgestalten. Schon ein kleiner Vorteil – etwa die erste Besucherin oder den ersten Besucher anzuziehen – könnte verändern, welche Pflanzen sich in der Natur durchsetzen.

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